Löschen unter Luftkriegsbedingungen in Nürnberg

Lösch- Einsatzfahrzeuge 

An dieser Stelle einige Worte zur Ausrüstung, zur Hinterlassenschaft der „Dienste“: Auf das Fahrzeugwesen der Löschkräfte wie Typisierung, Normung, Standardisierung und Bestückung mit Geräten (auch hierüber gibt es eine Vielzahl an Publikationen) wird allerdings nicht genauer eingegangen. Verwiesen wird auf das Kapitel „Berufsfeuerwehr Nbg.- ab 1939 FSchP“, wo am Beispiel Nürnbergs bereits beschrieben wurde, wie sich im Zuge von Luftschutzvorbereitungen, der militärischen der Aufrüstungspolitik des Regimes, die Modernisierung und Standardisierung der Fahrzeuge vollzog. Verwiesen wird ebenfalls darauf, dass unter den extremen Kriegsbedingungen und trotz zunehmender Materialknappheit, die Ausstattung der Lösch- und Hilfskräfte fast bis Ende des Krieges ständig modernisiert, dass die „Dienste“ weiter auf- und ausgerüstet wurden. Erst im letzten Quartal 1944 wurden die Produktionsstätten der Fahrzeugindustrie durch Bomben zerstört und fallen aus. Die stark ansteigenden Opferzahlen in den letzten vier Kriegsmonaten zeigen aber, dass dem Zerstörungspotenzial der Bomberflotten, am Boden nicht mehr viel entgegengesetzt werden konnte. Handdruckspritzen waren vor dieser Luftkriegs-Aufrüstung, vor allem in ländlicher Gegend oder bei den kleinen freiwilligen Feuerwehren, häufiger anzutreffen als Motorspritzen. Man kann durchaus von einem immensen „Modernisierungsschub“ sprechen, der auch die Dörfer erfasste. Mit der totalen Niederlage, den Kriegszerstörungen und den nachfolgenden Wirren, in der so genannten „Stunde Null “, wurde diese Entwicklung nicht auf ihren Ausgangspunkt zurückgeworfen.

Zur Veranschaulichung Statistiken zur Rationalisierung und Typisierung entnommen aus 6

 

Gerät 1942  1943  Gerät  1942  1943
Tragkraftspritzen 31 Typen

24 Firmen

1 Type

11 Firmen

Tragkraftspritzen 165 kg Metalle

80 Arb.Std.

112 kg Metalle

20 Arb.Std.

Anhänger/Karren 39 Typen

25 Firmen

3 Typen

7 Firmen

Anhänger/Karren 440 kg Stahl

80 Arb.Std.

210 kg Stahl

40 Arb.Std.

Großgeräte 19 Typen

12 Firmen

11 Typen

5 Firmen

Aufbauten 820 kg Stahl

700 Arb.Std.

400 kg Stahl

500 Arb.Std.

In Nürnberg z B. (Luftschutzort 1.Ord.) waren bei Kriegsende 1945, trotz Zerstörung und Verschleiß, Feuerwehrfahrzeuge in großer Zahl vorhanden.

Von Berichten älterer Kollegen ist bekannt, dass die Reutersbrunnenstraße bis „hinunter zum Gefängnis“ von „LS-mot. Fahrzeugen“ zugestellt war. Sie waren so zahlreich, dass zum Abstellen der Feuerwehrhof der West-Wache nicht ausreichte.

Von den Nazis suspendiert, wurde Wilhelm Sandberg von den Amerikanern 1946 in seiner Funktion als Leiter der Berufsfeuerwehr wieder eingesetzt. Unter seiner Amtszeit wurden, aus Not, Versäumnis oder auch aus Rache (wie von Einigen vermutet wurde), ein großer Teil dieser Fahrzeuge an auswärtige Feuerwehren „verscherbelt“. So kam z B. die „45m- Drehleiter“ [verschiedene Steighöhenangaben!], angeschafft für die „Kongreßhalle“ und dem „Reichsparteitags-Gelände“ nach Stuttgart.

Viele ältere Feuerwehrleute der Nachkriegszeit, hätten dieses moderne Gerät gerne für das zerstörte Nürnberg behalten und so verurteilten, auch diejenigen die ihn ansonsten als „Demokraten“ schätzten, seine Vorgehensweise. Sie kritisierten und bedauerten die (nicht notwendige?) Abgabe hochwertiger Feuerwehrfahrzeuge an Dritte.

Ein weiteres Beispiel:

Der Wehrkreis IX (Kassel) wollte seine Feuerwehrfahrzeuge dem Feind (anrückende Amerikaner) entziehen, evakuierte diese in Richtung deutsch/tschechischer Grenze und musste große Fahrzeugverluste hinnehmen. Nachdem die Besatzungen gefangen genommen wurden, deckten sich Gemeinden in der Oberpfalz mit Gerät ein. In einem Waldstück wurden z.B. 3 PKW, 4 Kräder, 24 Löschfahrzeuge, 3 Schlauchwagen, 4 TLF und 3 LKW zurückgelassen.

Nun waren die Fahrzeuge und Geräte der Bevölkerung zur Plünderung freigegeben. Auch fanden sich genügend Fuhrunternehmer und andere ein, die gleich die einzelnen Fahrzeuge für sich in Anspruch nahmen und sie fortschleppten. " Davon waren 3 Fahrzeuge vollkommen von Plünderern zerstört. Die Übrigen waren durch Ankauf mit den geringsten Preisen in den Privatbesitz von Fuhrhaltern übergegangen und bereits als Lastwagen umgebaut. Bei allen in Frage kommenden Dienststellen der zuständigen Militärregierung und der zivilen Behörden wurde die Herausgabe dieser Fahrzeuge nachdrücklich gefordert. Ohne Zustimmung der Mil. Reg. in Weiden/Obpf. und in Selb/Bayern war jedoch nichts zu erreichen." 1946 besaß die BF Kassel wieder 15 Fahrzeuge. 6

Die Berufsfeuerwehr Nürnberg war (vom “Amikran“[=Autokran amerikanischer Herkunft] abgesehen) bis Ende der 50er Jahre überwiegend mit Fahrzeugen aus Kriegsbeständen bestückt. Bis in die 70er Jahre hinein waren Löschgruppen der Freiwilligen Feuerwehr Nürnberg ebenfalls mit Fahrzeugen aus Luftschutzzeiten (leichtes LF/ LF 8 Opel Blitz / Mercedes) ausgerüstet. Es darf deshalb festgehalten werden, dass sich an der technischen Ausrüstung der Feuerwehr Nürnbergs, mit dem Ende des Krieges, kein einschneidender Bruch vollzog, die Nachkriegserneuerung des Nürnberger Geräteparks setzte erst Mitte der 50er unter Sandbergs Nachfolger, Branddierektor Zehlein ein. Allerdings, die Normung und Typisierung des Fahrzeugwesens, entwickelt im Dritten Reich, hat im Kern bis in unsere heutige Zeit hinein Bestand, wurde beibehalten.

Inhaltsverzeichnis

Literaturhinweis

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